Piraterie und Aktion

Nach einigen Tagen auf der Station, umgeben von gedämpftem Stimmengewirr, Wartungsdrohnen und immer denselben Gesichtern, hat sich etwas in mir geregt. Stillstand macht mich unaufmerksam. Und Unaufmerksamkeit ist draußen tödlich. Also habe ich beschlossen, den Hangar zu verlassen und mir wieder ins Gedächtnis zu rufen, warum ich das alles überhaupt mache.

Der erste Gedanke war simpel, fast banal. Die Astero. Leicht, bissig, geduldig. Irgendwo in einer Reliktstätte lauern, den Radar eng führen, warten, bis ein unachtsamer Explorer glaubt, allein zu sein. Ein sauberer Überfall, kurz und lehrreich für beide Seiten. Ich war innerlich schon halb dort.

Doch das Wurmloch hatte andere Pläne. In unserem eigenen System tauchten Sleeper-Signaturen auf. Alte Strukturen, alte Muster, eine Zivilisation, die selbst im Tod noch Zähne zeigt. Der Gedanke an Hinterhalte verflog. Entscheidungen müssen manchmal schnell fallen, und diese war eindeutig.

Exequror Navy Issue. Schwerer, träger, aber ehrlich. Die Verstärkung der Außenhülle und die erweiterbaren Membranen haben sich ausgezahlt. Die Sleeper feuerten präzise und gnadenlos, aber sie kamen nicht durch. Kein Kratzen, kein kritischer Moment. Nur Ausdauer. Der Kampf zog sich, wie es immer der Fall ist, wenn man gegen etwas kämpft, das keinen Rückzug kennt. Am Ende standen rund 15 Millionen ISK auf der Bilanz. Kein Betrag, der jemanden beeindruckt. Aber ich war zufrieden. Nicht wegen des Geldes. Wegen der Kontrolle.

Später kam die Einladung vom Allianzchef. Eine Flotte ins Null. Keine Strategie, kein langfristiges Ziel. Einfach rausfliegen, Präsenz zeigen, sehen, was passiert. Ich habe nicht lange gezögert. Auch das gehört dazu.

Der „wilde Westen“ erwies sich zunächst als erstaunlich diszipliniert. Alles, was unser Radar erfasste, war genauso wachsam wie wir. Ziele verschwanden, bevor wir greifen konnten. Dann der Sprung. Stimmen im Funk, plötzlich scharf. „Sabre, aufschalten – Feuer frei.“ Sekunden später war klar, dass die Sabre nicht allein war. Eine Claymore tauchte auf, schwer bewaffnet, entschlossen.

Der Kampf hätte sauber enden müssen. Tat er nicht. Material ging verloren. Piloten verloren ihre Schiffe und wachten wenig später in frischen Klonen auf. ISK, die neu verdient werden müssen.

Solche Momente erinnern mich daran, dass kein Schiff unfehlbar ist. Stärke endet dort, wo Nachlässigkeit beginnt. Also bleibt nur eines: weiter üben. Lernen. Schärfer werden.

Vielleicht ist es Zeit für einen Tapetenwechsel. Fraktionskrieg. Andere Fronten, andere Regeln. Frische Luft, weit weg vom stickigen Schweigen des Wurmlochs.

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