Kampf erzwungen

Es gibt Tage, an denen man gewinnt.
Und dann gibt es Tage, an denen das Universum einem jede Illusion Stück für Stück aus den Händen reißt.

Der Ablauf begann harmlos, fast einschläfernd. Scans, Relikt- und Datenseiten, vertraute Abläufe in fremden Systemen. Mehrere Sprünge vom Heimatloch entfernt flackerte plötzlich eine Buzzard auf meinem Radar auf. Nur ein kurzer Ausschlag. Und doch reichte er. Etwas in mir spannte sich an, scharf wie eine gezogene Klinge. Blut. Ich hatte Blut geleckt.

Ich brach alles ab. Wendete. Sprung um Sprung zurück nach Hause, jede Verbindung geprüft, jedes Wurmloch mit angehaltenem Atem passiert. Zuhause ließ ich das erste Schiff zurück und stieg in meine bissige Astero. Sie fühlte sich an wie ein Versprechen. Leise. Geduldig. Bereit. Ohne Zögern machte ich mich wieder auf den Weg.

Doch als ich zurückkehrte, war die Buzzard fort. Keine Spur, kein Echo, nicht einmal ein flüchtiger Abdruck auf dem Radar. Ich legte mich auf die Lauer. Stunden vergingen, während ich den Raum regelrecht festhielt, als könne ich ihn zwingen, mir etwas preiszugeben. Andere Schatten glitten durch das System. Eine Tengu tauchte auf. Mein heimlicher Traum. Und gleichzeitig die nüchterne Wahrheit: In einem direkten Aufeinandertreffen wäre meine Astero für sie kaum mehr als ein schneller Happen gewesen.

Also Rückzug. Kein Drama. Dann öffnete sich ein neues Loch, beinahe beiläufig, direkt in ein Hochsicherheitsgebiet nahe meiner alten Heimat. Ich nahm es an. Nicht aus Vernunft, sondern aus Hunger.

Der Entschluss reifte schnell. Fraktionskrieg. Gallente. Der Beitritt war unspektakulär, beinahe bürokratisch. Als Kampfschiff wählte ich eine Atron. Günstig. Ehrlich. Ein Werkzeug, kein Mythos. Wenige Stunden später saß ich darin, frisch ausgerüstet, Mut lauter als Erfahrung.

Angekommen auf dem Schlachtfeld Kampf endete, bevor er richtig begann. Ein weiteres Schiff warpte ein, spannte ein unsichtbares Netz um mich, hielt mich mit einem Webifier auf Distanz. Seine Drohnen erzählten den Rest der Geschichte, ruhig und präzise. Dann Stille. Klon. Erwachen.

Mit schwerem Kopf zog ich mich zurück, wollte mich ärgern, analysieren, Fehler sezieren. Doch im Heimatloch meldete das Radar eine Heron. Vertieft in ihre Arbeit. Unaufmerksam. Neu. Mein Feuer flammte erneut auf.

Ich stieg wieder in die Astero. Schlich mich heran, der Cloak lag perfekt wie ein Schatten über mir. Fünf Kilometer hinter ihr enttarnte ich mich, Zielerfassung, Drohnen aus dem Hangar, Scrambler aktiv. In diesem Moment fühlte sich alles richtig an.

Zu richtig.

Denn hinter mir enttarnte sich eine Loki. Nicht abrupt, nicht hastig. Sie trat aus dem Nichts hervor wie ein uralter Riese, dessen Schritte man erst bemerkt, wenn der Boden bereits bebt. Ihre Präsenz füllte den Raum, schwer und unausweichlich. Ich hatte sie nicht gesehen. Ich hatte sie nicht gespürt. Und genau das war der Fehler.

Bild von Deviantart

Ich zündete den Microwarpdrive, riss das Schiff herum, suchte verzweifelt nach Abstand. Zu langsam. Die Loki schloss die Distanz mit der Gelassenheit eines Jägers, der weiß, dass seine Beute keine Wahl mehr hat. Die Hülle zerbarst, Anzeigen flackerten, Instrumente schrien durcheinander. Dann blieb nur die Rettungskapsel, klein und lächerlich im offenen Raum.

Sie brachte mich zurück zur Station.

Zwei Schiffe weniger. Wut, schwer wie Blei. Niederlagen, die nachhallen.
Und doch dieses Gefühl, tief im Inneren:
Ich habe genug davon, gejagt zu werden.

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