Skyhook Raub

Gestern begann wie so viele Tage hier draußen beginnen: mit Routine.
Scanner hochfahren, Signaturen sortieren, Wahrscheinlichkeiten bewerten. Unser Wurmlochsystem lag ruhig da, fast träge. Ich habe es vollständig durchleuchtet, ebenso die umliegenden Verbindungen. Relikt- und Datenseiten wie aus dem Lehrbuch. Sauber gehackt, konzentriert gearbeitet. Keine Zwischenfälle. Am Ende standen rund 130 Millionen ISK auf der Haben-Seite. Solide. Verlässlich. Fast schon langweilig.

Und dann kam die Neugier.

Ein Wurmloch, das in den Nullsektor führte. Nicht ungewöhnlich. Aber ich wollte sehen, wohin genau. Vielleicht eine neue Route, vielleicht nur ein leerer Randbereich. Kaum war ich drüben, meldete sich ein Allianzmitglied.
„Hey Blista, was machst du im Null?“

Meine Antwort war ehrlich.
Scannen. Erkunden. Vielleicht etwas Interessantes finden.

Aus „vielleicht“ wurde schnell ein Plan.
Wir formierten eine kleine Flotte, sprangen ein paar Systeme weiter in ein anderes Nullsystem. Dort stand ein Skyhook. Unauffällig. Verlockend. Genau die Art von Ziel, die zu spontanen Entscheidungen einlädt. Andere Piloten tauchten auf dem Grid auf. Unbekannt. Aber sie verhielten sich neutral. Zu neutral, vielleicht. Ich habe es registriert – aber nicht weiterverfolgt.

Der Hack lief sauber.
Der Raub ebenfalls.

Ein kurzer Moment von Zufriedenheit. Dieses Gefühl, wenn etwas funktioniert, obwohl es improvisiert war. Der Plan war klar: zurück ins Wurmloch, verschwinden, bevor jemand reagiert.

Wir waren zu langsam.
Oder sie zu gut.

Kaum zurück in unserem Heimatloch, schlug die Falle zu. Eine Scramble-Bubble. Kein Vorwarnsignal. Kein Raum zum Denken. Acht Piloten decloakten fast synchron und eröffneten das Feuer. Keine Hektik. Keine Fehler. Ihr Überfall war vorbereitet – unserer war es nicht.

Es ging erschreckend schnell.

Ich sah, wie das Schiff meines Allianzmitglieds unter dem konzentrierten Beschuss nachgab. Struktur brach, Systeme versagten. Kein Ausweg. Ich war näher dran, als mir lieb ist. Zu nah, um noch ruhig zu analysieren. Zu weit drin, um mich sicher zu fühlen.

Instinkt übernahm.

Cloak. Bewegung. Ein kleiner Kurswechsel, gerade genug, um aus dem Fokus zu geraten. Sekunden, die sich wie Minuten anfühlten. Dann Stille. Ich war draußen. Er nicht.

Zurück blieb Wrack. Verlust. Eine Squall weniger in unserer Bilanz.
Der finanzielle Schaden ist überschaubar. Der andere nicht.

Was mich beschäftigt, ist nicht der Hinterhalt an sich. Wurmlöcher ziehen Jäger an. Das war nie anders. Es ist die Erkenntnis, wie vorhersehbar wir geworden sind. Routine schafft Muster. Muster schaffen Angriffsflächen. Und jemand hat sie gelesen – besser als wir.

130 Millionen durch Hacken.
Ein erfolgreicher Diebstahl.
Und trotzdem fühlt es sich nicht wie ein Gewinn an.

Ich bin entkommen. Glück. Können. Vielleicht beides. Aber Glück ist kein Fundament, auf dem man aufbauen sollte.

Heute war eine Erinnerung daran, dass selbst ein Zuhause im Wurmloch keine Sicherheit bietet. Nur die Illusion davon.

Und Illusionen sind hier draußen tödlich.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen