Verlust

Ohmahailen.
High-Sec. Vermeintlich sicher. Ein Ort, an dem man glaubt, die Regeln zu kennen – und genau deshalb Fehler macht.

Der Auftrag war banal: Erkundung, Datengebiet der Guristas, schneller Durchlauf, ein paar verwertbare Fragmente, dann weiter. Routine. Zu vertraut. Die Astero glitt ruhig durch das System, Scanner sauber eingestellt, Signaturen schnell erfasst. Kein Widerstand. Keine Auffälligkeiten. Genau das hätte mich stutzig machen müssen.

Das Datengebiet lag offen da, fast einladend. Zu still. Ich bin trotzdem rein.

Die ersten Sekunden waren unspektakulär. Container gescannt, Zugriff vorbereitet. Dann die Kontakte. Vier Signaturen, zu schnell, zu koordiniert. Guristas. Kein Zufall. Ein Hinterhalt, sauber platziert. Und ich habe ihn kommen sehen – und trotzdem ignoriert.

Selbstüberschätzung ist leise. Sie kündigt sich nicht an. Sie flüstert dir nur zu, dass du das schon unter Kontrolle hast.

Ich habe die Drohnen gestartet.

Ein Fehler.

Nicht, weil die Astero das nicht könnte. Sondern weil ich den Kontext falsch gelesen habe. Zu viele Gegner, zu nah, zu gut positioniert. Die ersten Salven trafen, noch bevor ich reagieren konnte. Schild weg, Panik setzt ein. Ich habe versucht zu warpen, aber der Punkt saß. Sauber. Präzise. Lehrbuchmäßig.

Der Rest ging schnell.

Strukturalarme. Systeme versagen. Ein kurzer Moment, in dem ich dachte, ich könnte es noch drehen. Dann das Aufreißen der Hülle, das dumpfe Vibrieren, das Gefühl, wenn Masse zu Energie wird und man plötzlich sehr klein ist.

Die Astero zerbrach, als hätte sie nie existiert.

Kein Heldenmoment. Kein letzter cleverer Zug. Nur Stille – und das automatische Ausklinken der Kapsel. Ich habe überlebt. Das Schiff nicht.

Zehn Minuten. Mehr war es nicht. Zehn Minuten, die gereicht haben, um mich daran zu erinnern, dass Erfahrung kein Schutzschild ist. Dass Routine träge macht. Und dass Guristas nicht verzeihen.

Der Verlust schmerzt weniger wegen der ISK. Schiffe lassen sich ersetzen. Was schwerer wiegt, ist die Erkenntnis, dass ich den Kampf selbst gewählt habe. Nicht aus Notwendigkeit, sondern aus Arroganz. Ich wollte testen, wie weit ich gehen kann.

Heute habe ich die Antwort bekommen.

Morgen werde ich vorsichtiger sein.
Oder klüger.
Oder beides.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen