NullSec

Der Sprung durch das Wurmloch war sauber. Kaum Turbulenzen, keine sofortige Signatur im lokalen Raum – genau so, wie ich es bevorzuge. Highsec liegt mir mittlerweile wie ein zu oft gelesener Text: vorhersehbar, glatt, ohne Widerstand. Der Ausgang hier draußen im tiefen Null fühlte sich anders an. Schwerer. Still. Ehrlich.

Die Astero lief ruhig. Systeme stabil, Scanner auf Maximum. Ich habe mir Zeit gelassen, die Umgebung gelesen wie eine alte Karte, deren Ränder längst ausgefranst sind. Relikte aus einer Zeit, in der die Drohnen noch mehr waren als nur Schrottlieferanten. Verlassene Außenposten, halb zerfallene Labore, die niemand mehr beansprucht – und trotzdem voller Spuren von Aktivität, die nie ganz verschwunden ist.

Vier Stunden. Länger als geplant, aber kürzer als nötig gewesen wäre, um wirklich alles auszuschöpfen. Ich habe mich auf das Wesentliche konzentriert: Daten, Baupläne, Fragmente alter Drohnentechnologie. Nichts Spektakuläres auf den ersten Blick, aber genau diese unscheinbaren Funde zahlen sich später aus. Rund 60 Millionen ISK. Kein Reichtum. Aber ehrlich verdient.

Zwischendurch ein Kontakt.
Eine Cheetah, sauber geflogen, kein aggressives Manöver. Ihre Scannerarbeit war präzise, effizient – jemand, der weiß, was er tut. Wir haben kurz unsere Ergebnisse abgeglichen. Keine großen Worte. Nur Koordinaten, Wahrscheinlichkeiten, ein stilles Einverständnis darüber, dass wir uns hier draußen nicht gegenseitig im Weg stehen. Freundlich. Professionell. Selten genug, um hängen zu bleiben.

Solche Begegnungen erinnern mich daran, warum ich das hier mache. Nicht wegen des ISK. Nicht wegen der Beute. Sondern wegen dieser stillen Momente zwischen zwei Sprüngen, wenn man merkt, dass man nicht der Einzige ist, der noch systematisch denkt – der noch sucht, statt nur zu farmen.

Die Drohnenanlagen selbst wirkten… leerer als sonst. Fast so, als hätte jemand vor mir bereits die wertvollsten Spuren entfernt. Oder als würde sich etwas Größeres vorbereiten, das keine Zeugen will. Vielleicht Einbildung. Vielleicht Instinkt. Beides fühlt sich hier draußen oft gleich an.

Beim Rückflug habe ich die Routen mehrfach geändert. Alte Gewohnheit. Der Raum vergisst nicht. Und ich verlasse mich ungern darauf, dass ich unbeobachtet geblieben bin.

Die Astero hat gehalten, was sie verspricht: leise, präzise, verlässlich. Aber auch sie ist nur ein Werkzeug. Entscheidend ist, wer sie fliegt – und warum.

Heute war es Neugier.
Morgen vielleicht etwas anderes.

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